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Statistiken und Nutzerakzeptanz

Um das Angebot zu optimieren und die Akzeptanz der Nutzer für derartige Teledemokratiesysteme zu prüfen, wurden während der Konferenzen im Jahr 1997 verschiedene Statistikmöglichkeiten eingebaut. Zunächst gab es nur einen Seitenzähler, der die abgerufenen Startseiten einer Konferenz aufsummiert. Während der Rentenkonferenz kam auch ein Statistikpaket zum Einsatz, das die technischen "Hits" zählte, was sich jedoch als einzelne Statistikgröße unbrauchbar erwies.

Ende 1997 existierten dann drei verschiedene Statistiken für Tele-o-Log-Konferenzen:

  1. Ein Besucher- beziehungsweise Seitenzähler;

  2. Messungen der offiziellen Reichweiten wie "Page Impressions" und "Page Visits";
  3. Technische Statistiken mit "HTTP-Analyze" o.ä.

Der Besucher- beziehungsweise Seitenzähler, der im WWW am meisten verbreitet ist, wird während der Konferenz eingeblendet und zu Beginn sowie zum Ende von Konferenzen zurückgesetzt. Er läßt eine schnelle Aussage über die Akzeptanz der Live-Debattenelemente zu. Außerdem wird eine interne Statistik über alle abgerufenen Elemente (Dokumente und Programme) erstellt, um zum Beispiel "tote Ecken" zu finden, zu denen der Benutzer vielleicht wegen schlechtem "Human Interface Designs" nie oder nur selten gelangt.

Auch die rufenden Netzwerkadressen werden gespeichert und nach rufenden Netzen und Ländern ausgewertet. Die rufenden Länder geben eine grobe Orientierung über die weltweite Kenntnis des Systems, die rufenden Netze treffen eine erste Aussage über Nutzung aus Firmennetzen heraus (siehe Konferenz Altbausanierung).

Außerdem kann die Belastung zu bestimmten Tageszeiten ausgewertet und so die "Prime Time" ermittelt werden. Die Erfahrung nach den bisherigen Konferenzen: Die Prime Time liegt etwa bei 11 und 17 Uhr. Diese Auswertung deckt sich mit Erkenntnissen von Anbietern wie CNN, die eine statistische Prime Time während der Hauptarbeitszeit um 11 Uhr ermittelten. In Deutschland liegt die "Internet Prime Time" lediglich aufgrund der hohen Leitungskosten der Telekom in den Abendstunden, während sie sich in den U.S.A. auf die Vormittagsstunden verlagert hat. Diese Erkenntnisse halfen bei der Festlegung von Live-Zeiten für Politiker und Experten für Tele-o-Log-Konferenzen.

Eine Frage, die häufig gestellt wird: Wie kann man die Identität der Besucher feststellen? Besteht nicht die Gefahr, daß bestellte "Jubelperser" oder anonyme Störenfriede die Ernsthaftigkeit solcher Konferenzen behindern?12 Doch wie sieht die Realität aus? Bei allen politischen Veranstaltungen - ob in Bierzelten oder auf Parteitagen - läßt sich trotz vager Identifikation der Besucher nicht deren Gesinnung oder Anliegen feststellen.

Auch mit einer ausgeklügelten Nutzerverwaltung (nur registrierte Nutzer zulassen etc.) für Tele-o-Log wäre Registrierung unter fremdem Namen möglich - es sei denn, jeder Einzelne wird nachgeprüft. Bisher ist es nicht möglich, Nutzer und deren Verweildauer bei Internet-Angeboten technisch einwandfrei zu ermitteln. Mit diesem Problem haben viele Online-Anbieter zu kämpfen, arbeiten mit Bestätigung per gelber Post und ähnlichem. Doch dies würde Barrieren für Besucher der Tele-o-Log-Konferenzen aufbauen und das System umständlicher und aufwendiger machen. Außerdem klagen viele Bürger über mangelnden Persönlichkeitsschutz im Internet - und sehen dies als Akzeptanzproblem für das Netzwerk. Tele-o-Log sollte daher die Möglichkeit zum anonymen Besuch beibehalten.

Geplant ist für die Zukunft eine "kleine Hitparade" der Politiker und Behörden. Da Tele-o-Log-Konferenzen zeitversetzt über einen längeren Zeitraum laufen können, besteht die Gefahr, daß sich Politiker oder Experten bei unangenehmen Fragen einfach abmelden, diese hinauszögern oder überhaupt nicht beantworten. Daher ist eine Messung sinnvoll, wie oft Bürgerfragen beantwortet werden. Diese soll vermeiden, daß Anfragen länger als einen Tag liegenbleiben. Eine derartige "Kontroll- und Unterhaltungsvariante" erscheint machbar, weil immer mehr (junge) Politiker auch sportlichen Ehrgeiz in Sachen Bürgerfreundlichkeit entwickelt haben.

Die Akzeptanz läßt im Vergleich zum Aufwand noch zu wünschen übrig. Mit Tele-o-Log ist rein theoretisch eine technische Reichweite von 90 Prozent machbar. Das System ist kaum ausgelastet. Allerdings erfolgte bisher auch kaum Werbung, zum Beispiel keinerlei kommerzielle Bannerwerbung.

Werbung und PR

Tele-o-Log ist bisher in einem Experimentalstadium. Daher wurde für das System an sich nicht geworben, lediglich auf die einzelnen Veranstaltungen hingewiesen. Zu den Konferenzen gab es Aussendungen von Pressemitteilungen per E-Mail und Fax, zum Beispiel 80 personenorientierte E-Mail als Einladung zur Konferenz "Bürgerrente". Zur Altbaukonferenz wurden rund 250 Mitteilungen versandt, darunter auch an Multiplikatoren wie Verbände und Kammern. Einige Medien druckten die Ankündigung beziehungsweise veröffentlichten Online-News. Die Konferenz-Adresse wurde in den Tageszeitungen kaum gedruckt, so daß nur wenige Bürger wußten, wo die Veranstaltung online stattfand. Zur Altbaukonferenz gab es zusätzlich ein Experiment mit Werbung per E-Mail: An zwei Tagen schaltete das Medienbüro Leipzig eine Text-Anzeige im Online-Newsletter "Newsline" von HorizontNet, der an 3000 Abonnenten verschickt wird. In den traditionellen Medien fand zum Beispiel die Altbaukonferenz mit dem Bundesbauminister kaum Beachtung, trotz gezielter Aussendungen der Veranstalter. Eine Ausnahme war nur die Konferenz mit Ministerpräsidenten Biedenkopf. Mögliche Ursachen:

  • Fehlende Kenntnis der Online-Medien, Irrglaube, Zielgruppe sei auf junge Leute beschränkt;

  • Beschränkung solcher News auf "Technik- und Computerecken";
  • Konkurrenzbetrachtungen, viele Tageszeitungen verfügen über eigene Online-Angebote mit Diskussionsforen;
  • Übersättigung mit Internet-Events und -Angeboten in bestimmten Redaktionen.

Nicht nur aus diesen Gründen suchten die Entwickler nach alternativen Wegen und neuen Möglichkeiten. So verbreitete die Deutsche Bank die Altbaukonferenz-Adresse auf Kontoauszügen in Mitteldeutschland. Die Adresse "Netzforum.de" wurde bei diversen Suchdiensten und Verzeichnissen registriert, damit Konferenzen auch ohne die genaue Adresse gefunden werden können. Abwechselnde Konferenzthemen zu unterschiedlichen Zeiten - Events - sind jedoch zur Ankündigung in Suchmaschinen und Verzeichnissen nicht geeignet. In Zukunft wird verstärkt an einer Bekanntmachung in Online-Medien, sogenannten E-Zines, gearbeitet, die in der Lage sind, kurzfristig auf Themen zu reagieren und einen festen Abonnentenstamm haben. Besuchern von Netzforum.de steht auch ein Online-Newsletter zum kostenfreien Abo zur Verfügung, über den neue Themen und Gäste angekündigt werden.

Zur Kommunikation neuer Konferenzen bietet sich auch sogenannte Banner-Werbung (ähnlich der Bandenwerbung in Sportstadien) bei anderen Online-Diensten an. Lediglich aus Kostengründen gab es bisher keine derartigen Anzeigen. Viel mehr wurde auf persönliche Kontakte interessierter Bürger gesetzt, auf Mundpropaganda. Dieses partnerschaftliche Prinzip soll auch bei weiteren Veranstaltungen beibehalten werden.

Auf den beiden Messen BiK, Fachmesse für Computer & Telekommunikation in Leipzig, und Comtec´97 in Dresden fanden - mit Unterstützung des Freistaates Sachsen - Präsentationen des Tele-o-Log-Systemes statt.

Damit sich Journalisten bei Netzforum.de informieren können, wurde die bereits erwähnte Pressemitteilungsdatenbank von der Leipziger Firma transnet entwickelt. Mit einer einfachen Administrationsschnittstelle können auch Veranstalter ohne technische Kenntnisse Mitteilungen einspeisen und diese verwalten.

Weil sich Tele-o-Log vor allem für die politische Bildung eignet, ist auch an eine Forcierung der "on-the-road"-Aktivitäten gedacht. Das Beispiel Web-Trabi ist der Ansatz:: Tele-o-Log reist zu den Bürgern, schafft so auch Akzeptanz für Internet und Informationgesellschaft.


Fazit - Akzeptanz
"Hier wartet im kommenden Wahlkampf nicht nur auf die SPD eine enorme Aufgabe: den Bürger davon zu überzeugen, daß man die Dinge politisch verändern kann, daß Demokratie keine spanische Wand ist, hinter der ‘die da oben’ machen, was sie wollen".
Wolfgang Tiefensee, OBM-Kandidat Leipzig, Ende 1997

Die niedrigen Besucherzahlen können nach unserer Einschätzung mehrere Ursachen haben:

  • allgemeines politisches Desinteresse;

  • zu wenig Internet-Zugänge;
  • zu wenig Werbung für Themen;
  • zu wenig Interesse an den ausgewählten Themen und/oder Politikern;
  • und der größter Hemmschuh für viele Bürger: die hohen Leitungskosten im Ortsnetz.

Für die Machbarkeit künftiger Konferenzen und des Teledemokratiesystems lernten die Entwickler aus den bisherigen Konferenzen und ersten Eindrücken der Politiker und Bürger.


Punkte für eine verbesserte inhaltliche Akzeptanz:

  • Die Wahl der Themen: Mehr brisante Themen von allgemeinem Interesse. Themen, die eines allgemeinen gesellschaftlichen Konsens bedürfen, zum Beispiel: Schwangerschaftsabbruch, Rente, Arbeit, Kriminalität, Suchtmittel, Soziales und Gesundheit, Erziehung und Bildung, Umwelt, ethisch-moralische Fragen, Steuern, Einwanderungs- und Asylpolitik, Militär;

  • Trennung der Konferenzen für Wirtschaft und für Privathaushalte, exakte Zielgruppenbestimmung;
  • Gezielte Einladung von wirklichen Entscheidungsträgern (keine Sprecher oder Fachexperten ohne Entscheidungskompetenz);
  • Verstärkte Einbeziehung anderer Parteien (bisher ausschließlich CDU-Politiker);
  • Bildung einer "politischen Streitarena", mehr Pro- und Contra-Dialoge, mehr gegensätzliche Politiker als Gäste einladen;
  • Stärkere Zusammenarbeit mit regionalen Tageszeitungen, Verbänden oder Bildungsinstituten.

Ressourcen und Organisation

Alle Leistungen wie Entwicklung, Programmierung und Betrieb von Tele-o-Log wurden von Dresdner und Leipziger Bürgern sowie Unternehmen erbracht. Das Hauptkapital des Projektes bilden sogenannte "Human Ressources": Menschen, die mit dem Projekt Know-How für ihr eigenes Unternehmen und Berufsleben erlangten. Zu Beginn stand der (erst einmal unterschätzte) Aufwand für die Koordination der jeweilen Konferenzteams in keiner Relation zum Ergebnis, was letztlich zur technischen Entwicklung einer Online-Datenbanklösung führte.

Die Einzelveranstaltungen wurden bisher vom Medienbüro Leipzig und Umfeld organisiert und betreut - bis hin zu Moderation und Redaktion. Hinter Tele-o-Log steht keine Organisation, die Gründung eines Unternehmen erschien zunächst sekundär. In den U.S.A. hat es sich bewährt, daß so manches junge Unternehmen erst mit der Fertigstellung des Produktes gegründet werden. So wurden lediglich für die einzelnen Konferenzen kurzfristige "Public-Private-Partnerships" gebildet, zum Beispiel eine Online-Redaktion aus einem Beamten und einem freien Journalisten, ein Sponsorenpool, bestehend aus Unternehmen und einem Ministerium. Eine weitestgehende Unabhängigkeit von öffentlichen Ressourcen gehört auch zur Projektstratgie, um Interessenskonflikte und Bürokratie zu vermeiden, und eine Unabhängigkeit von öffentlichen Mitteln und Haushalten zu erzielen. Eine GmbH-Gründung mit dem in Deutschland üblichen bürokratischen Aufwand erschien den Entwicklern verfrüht.

Die Entwickler kommen aus dem Umfeld des Chaos Computer Clubs Leipzig, wertvolle Anregungen erhielten sie unter anderem Otfrid Weiss, Ministerialrat in der Sächsischen Staatskanzlei, Dresden und Michael Sagurna, Regierungssprecher in Sachsen.

Als technische Ressource nutzt Tele-o-Log eine Maschine, die im Internet am weitesten verbreitet ist und als extrem zuverlässig gilt: den "Apache"-Web-Server. Er läuft unter dem Betriebssystem Linux, ist aufgrund seiner Architektur für massenkommunikative Anwendungen prädestiniert - im Vergleich zum Betriebssystem Windows NT o.ä., die auf Bürokommunikation ausgerichtet sind. Zur Entwicklung der Prototypen wurde für die Software ein Baukastenprinzip gewählt, um die Kosten unter Kontrolle zu halten und modular verteilt entwickeln zu können. Das derzeitige Tele-o-Log-System ist technisch auf mehr als 5000 Simultanbesucher ausgelegt.

Zusätzlich wurden für die Konferenzen Dienste, die externe Ressourcen nutzen, realisiert - zum Beispiel eine tägliche Auswertung von 240 Online-Medien zum Prüfen der Verbreitung.

Finanzierung von Tele-o-Log

Es gibt bisher keine feststehenden Preise für Konferenzen, da Tele-o-Log ursprünglich nicht als Produkt oder kommerzielle Dienstleistung konzipiert wurde. Alle Preisinformationen wurden individuell in persönlichen Exposés ermittelt sowie erste Überlegungen zur Abrechnung der Telearbeiter angestellt, zum Beispiel, ob Dolmetscher nach Stunden oder Zeilen, Moderatoren nach Stunden oder Nachrichten abgerechnet werden sollen. Für den Dauereinsatz in der Informationsgesellschaft jedoch ist ein Abrechnungsmodul und eine funktionierende Verwaltung unerläßlich. Tele-o-Log bietet sich auch hier als Experimentalprojekt an.

Das Internet-System und alle bisherigen politischen Konferenzen wurden privat finanziert, es erfolgte keine öffentliche finanzielle Förderung. Die Fix-Kosten für das Projekt betragen monatlich rund 6000 Mark, die zum Teil (Maschine, Internet-Anbindung) vom Sponsor transnet Internet Services Leipzig übernommen werden. Teile der Kosten wie Präsentations- und Reisekosten wurden von Dritten wie der SET übernommen. Für die Konferenzen mit Ministerpräsidenten Biedenkopf sowie Staatssekretär Buttolo zahlte der Freistaat Sachsen einen Kosten-Anteil. Der gesamte Entwicklungsaufwand lag bisher bei 450.000 Mark (rund 450 Manntage). Die Bruttoeinnahmen aller Konferenzen lagen bei einer knappen fünfstelligen Geldsumme, die Kosten weit über diesem Betrag - vor allem für Management und administrative Basis- und Zusatzdienste. Tele-o-Log wird vor allem durch freiwillige Initiative der Beteiligten getragen.

Allerdings besteht eine Gefahr beim Dauersponsoring: Die Abhängigkeit von Sponsoren, deren Botschaften, Produkten und Kunden - und deren Wettbewerb. Transnet ist ein Internet Provider mit enormen Know-How im Entwicklungsbereich von Online-Datenbankanwendungen, mit dem Schwerpunkt lokaler Mark in Leipzig und Umgebung. Es ist daher sinnvoll, weitere Sponsoren - wie zum Beispiel Verlage und Hersteller kommunaler Software - anzusprechen, die unmittelbar von Teledemokratieanwendungen betroffen sind.

Auch eine Finanzierung durch Werbung ist angedacht. Dafür ist jedoch ein redaktionelles Dauerthemenangebot Grundvoraussetzung. Es muß ein Markenname für einen derartigen Online-Dienst geschaffen werden. Die freien Online-Flächen sind vorhanden, zum Beispiel im Terminkalender von Netzforum.de. Für Sponsoren sollen jedoch künftig weitere Konferenzen unter anderen Adressen stattfinden, um Entwicklung und Kommerz für den Bürger sichtbar zu trennen. Mit Internet-Konferenzen im wirtschaftlichen "Business to Business" oder von "Business to Government" wäre in den kommenden beiden Jahren sogar ein leichter Profit zu erzielen.

Geprüft haben wir auch den Einsatz von Risikokapital oder öffentlicher Mittel für den Betrieb von Tele-o-Log. Nach unserer Auffassung sollen für Projekte nur dann Fördermittel gezahlt werden, wenn sie sich auch ohne Fördermittel selbst tragen können, es mit Fördermitteln aber qualitativ besser und vielleicht schneller geht. Für Tele-o-Log wurden öffentliche Fördermittel für eine Entwicklungsmaschine beantragt und nach zunächst zwei Zusagen wegen Mittelknappheit abgelehnt.

Studie der Verwaltungshochschule Speyer

In "Webtest II - Bundesländer im Vergleich", einer Untersuchung der Aktivitäten der einzelnen Bundesländer im World Wide Web, erzielte der Freistaat Sachsen überraschend Platz drei, direkt hinter Nordrhein-Westfalen und Bremen. Zur Begründung heißt es in der 1997 von der Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer13 durchgeführten Studie: "Auf der Home Page des Freistaats Sachsen werden den Bürgern Konferenzen zu spezifischen Themen angeboten. In der ersten (und bisher scheinbar einzigen) derartigen Konferenz stellte der Ministerpräsident Kurt Biedenkopf zunächst sein Konzept der Bürgerrente vor, d.h. eine Konferenz beginnt immer damit, daß ein Referent ein bestimmtes Vorhaben oder ein Konzept erläutert und zur Diskussion stellt." Weiter heißt es: "Anschließend konnten Bürger hierzu innerhalb eines festgesetzten Zeitraums Stellung nehmen. Jeder Diskussionsbeitrag wird vom Referenten unmittelbar beantwortet; kommen Diskussionsbeiträge die vom Thema abweichen, oder sonstwie keinen Bezug zum Thema haben, dann schaltet sich ein (neutraler) Moderator ein, der versucht, die Diskussion wieder auf das eigentliche Thema zu bringen".

Die beiden Autoren gelangen zu dem Ergebnis: "Dies scheint uns auch für kommunale Themen ein besserer Weg zu sein, um die Bürger zum Diskutieren zu animieren. Anstatt die Bürger einfach alleine zu lassen und das Feld einigen wenigen (Internet)Aktivisten zu überlassen, sollten die Beiträge strukturiert und auch jeweils beantwortet werden, so daß die Bürger den Eindruck haben können, ihre Meinung wird von den relevanten Stellen auch wirklich ernst genommen. (Location: http://www.sachsen.de, über die Option ‘Tele-o-Log’)." An dieser Studie werden die immensen Vorteile von Tele-o-Log für die öffentliche Verwaltung im Freistaat Sachsen deutlich.

Wissenschaftlicher, interdisziplinärer Beirat

Von Beginn an wurde auf ein interdisziplinäres Team wert gelegt. Neben den bereits genannten Beamten übernahm Professor Howard Fredrick, Geschäftsführer SET, Leipzig, und Experte für Massenkommunikation sowie Bürgerrechtler aus den U.S.A., die wissenschaftliche Begleitung des Projektes. Es ist geplant, den wissenschaftlichen Beirat um Politiker und Juristen zu erweitern.

Vergleiche zu anderen Internet-Diensten

Anfangs erläuterten wir bereits, warum für ein Teledemokratiesystem wie Tele-o-Log das Internet als Computernetz und nicht andere Netze ausgewählt wurden. Das Internet verfügt über standardisierte Praxisprotokolle und -dienste. Es gibt bereits eine Vielzahl von Diensten wie WWW, E-Mail, IRC-Chat oder Newsgroups. Warum haben wir uns nicht für einzelne, bereits vorhandene Internet-Dienste entschieden, mit denen bereits politische Diskussion gepflegt wird? Tele-o-Log ist darauf angelegt, die Vorteile verschiedener Dienste zu nutzen - nicht, diese zu ersetzen. Andere Dienste - wie E-Mailinglisten - können für Tele-o-Log ideal zur Ergänzung oder als Backup-Medium eingesetzt werden. Im folgenden werden Internet-Dienste vorgestellt, von denen Einzelemente auch bei Tele-o-Log zu finden sind.

Konferenzsysteme im Internet

Es gibt inzwischen eine Vielzahl von Online-Konferenzsystemen, meist für Endkonsumenten und Medien zu Unterhaltungszwecken entwickelt.

Eine Auswahl von Konferenzsystemen im Internet:

Hinter Congressnet zum Beispiel verbirgt sich PopNet, eine Multimedia-Agentur, die 1995 von den ehemaligen Verlegern der Stadtillustrierten PRINZ, Werner und Edmund Marcinowski, sowie von Thomas Spar und Günter Schiele gegründet wurde. Das Unternehmen beschäftigt heute rund 34 festangestellte Mitarbeiter und ist auf Online-Kommunikationslösungen (Internet und Intranet) spezialisiert. PopNet arbeitet u.a. für Kunden wie den SPIEGEL Verlag und SPRINGER Verlag, für ARAL, WILKINSON, HERMES Kreditversicherungen, STELLA MUSICALS. Es ist zu erwarten, daß von PopNet oder auch CompuServe, die auf Business-Kunden spezialisiert sind, sowie von Bernd Heuer Communications aus Düsseldorf die interessanten und lukrativen Wirtschaftskonferenzen kommen werden. Auch Systeme wie das von Screenporch bieten interessante Ansätze für geschlossene Wirtschaftskonferenzen. Entscheidend werden die kulturellen Unterschiede sein, mit denen sich die Software-Produkte im Markt präsentieren. Mit Screenporch kann man die Lesebereitschaft der einzelnen Teilnehmer exakt kontrollieren, was in Deutschland zu Datenschutzproblemen führt. In Sachsen existiert bisher jedoch nur ein System: Tele-o-Log.

Chatsysteme im Internet

Wenn wir Politiker oder Wirtschaftsexperten auf Internet-Konferenzen ansprechen, kommt fast immer dieselbe Bemerkung: "Ach so, ein Chat". Die meisten Nutzer und Laien verbinden mit dieser Online-Kommunikation den klassischen "Internet Relay Chat".

Als Chat bezeichnet man die nahezu zeitgleiche Kommunikation mehrerer Personen über das Netz. Die Teilnehmer befinden sich gemeinsam in einer Art virtuellem Raum, wo alle durcheinanderreden können. Die älteste und verbreitetste Variante ist der Internet Relay Chat (IRC). Zur Teilnahme wird neben einem vollwertigen Netzzugang eine besondere Client-Software benötigt, die kostenlos erhältlich ist. Nach dem Vorbild des Internet Relay Chat sind inzwischen unzählige Chat-Systeme im WWW entstanden. Auch Online-Dienste wie z.B. AOL bieten Chatsysteme mit ähnlicher Funktionsweise an, jedoch in der Regel nur eigenen Kunden.

Im IRC erfolgt der Chat in Channels (Kanälen), die durch kurze Namen (z.B. "#detebe", "#leipzig", "#linux") identifiziert werden. Daneben ist auch die nichtöffentliche Kommunikation zwischen zwei Teilnehmern möglich. Ein Channel wird automatisch erzeugt, wenn ihn der erste Teilnehmer betritt und verschwindet ebenso automatisch, wenn er vom letzten Teilnehmer verlassen wird. Die Kanäle sind allerdings nicht so kurzlebig, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Wird ein Channel, oder genauer: ein Channel-Name, eine Zeitlang regelmäßig benutzt, so bildet sich schnell eine Gruppe von Personen, die ihn häufiger besuchen. Auf diese Weise können IRC-Channels zu einer dauerhaft etablierten Einrichtung werden. Die Teilnehmer erscheinen im IRC unter einem selbstgewählten Pseudonym ("Nickname", kurz "Nick"), das auch während des Chats geändert werden kann. Zusätzlich kann die E-Mail-Adresse sowie ein ebenfalls selbstgewählter Kommentar (z.B. der Realname oder etwas was aussieht, als sei es einer) zu jedem Teilnehmer abgerufen werden. Die E-Mail-Adressen sind nicht sicher verifiziert und können aus verschiedenen Gründen falsch sein.

Um am IRC teilnehmen zu können, muß mit der Client-Software eine Verbindung zu einem IRC-Server aufgebaut werden. Solche Server können isoliert arbeiten (Beispiel: der Netnite-Chat vom ZDF) oder mit anderen zu einem Netz verbunden sein. Aus der Sicht des Nutzers ist das egal; er muß lediglich dasselbe Netz verwenden wie die Menschen, mit denen er chatten möchte. Im Grunde kann jeder für beliebige Zwecke einen eigenen IRC-Server betreiben, doch wer eine große Teilnehmerzahl ansprechen möchte, kommt um die Verbindung mit einem der bekannten Servernetze kaum herum, das heißt, Netzwerkmanagement und Administration sind erforderlich. Das kann allerdings problematisch sein, da diese Netze zum Teil ehrenamtlich von Studenten mit Universitätsressourcen betrieben werden und eine Nutzung durch Firmen und andere Organisationen teilweise unerwünscht ist. Zudem kann es in diesen Netzen zu Verbindungsstörungen zwischen den Servern kommen, die nicht nur den Chat (kurzzeitig) behindern, sondern auch technisch versierten und hinreichend böswilligen Nutzern die Erlangung von Operator-Rechten ermöglichen können. Zur Erklärung: Der Operator kann Teilnehmer aus dem Channel werfen und am Betreten desselben hindern, verschiedene Optionen - Channel-Modi - setzen (zum Beispiel "moderiert") und anderen Teilnehmern Operator-Rechte verleihen. Bei moderierten Kanälen können nur diejenigen schreiben, denen ein Channel-Operator das Recht dazu verliehen hat.

Nach dem Verbindungsaufbau durch die Software kann der IRC-Nutzer einen existierenden Channel betreten oder selbst einen eröffnen. Das wird den im Anwesenden im Channel angezeigt, ebenso wie das Verlassen des Kanals und Statusänderungen durch einen Operator. Nun kann er dem Verlauf des Chats folgen und sich selbst daran beteiligen. Allerdings können nur kurze Textstücke - bis ca. 200 Zeichen - eingegeben werden. Sie erscheinen dann, mit dem Pseudonym des Absenders gekennzeichnet, bei allen anderen Teilnehmern des Chatkanals. Wer einen Gedanken ausführlicher darlegen möchte, muß dazu mehrere Einzeleingaben machen und absenden. Dabei kann es passieren, daß andere Teilnehmer "dazwischenquasseln". Da die Chatter in einem unmoderierten Kanal nach Belieben durcheinander schreiben können, entsteht schon bei einer kleinen Zahl aktiver Teilnehmer leicht ein unübersichtliches Chaos.

Die IRC-Technik stellt keine Möglichkeit zur Kennzeichnung von Bezügen bereit. Deshalb sind zusammengehörende Äußerungen, wie zum Beispiel eine Frage und eine Antwort darauf, häufig auseinandergerissen. Dazwischen werden Äußerungen angezeigt, die mit der Frage überhaupt nichts zu tun haben. Ebenso kann es vorkommen, daß nicht zusammenhängende Äußerungen zufällig unmittelbar nacheinander angezeigt werden, was einen Zusammenhang suggeriert. Schon nach etwa 30 Minuten Chat mit dem Bundespräsidenten während der IFA´97 gingen Bürger und Bundespräsident die Themen aus, einen Zusammenhang und roten Faden gab es nicht.

Wie bereits erwähnt, sind im IRC auch moderierte Chats möglich. In einem moderierten Kanal können zunächst nur die Channel-Operatoren schreiben, das heißt, der Moderator hat technisch gesehen den Operator-Status. Alle anderen Teilnehmer können den Kanal zwar betreten und verlassen, am Chat aber nur passiv teilnehmen. Die Operatoren können dann einzelnen Teilnehmern ein Rederecht erteilen und natürlich auch wieder entziehen. Das Rederecht kann mit einer nichtöffentlichen Nachricht an einen der Operatoren erbeten werden. Auf diese Weise läßt sich die Kommunikation auch bei großen Teilnehmerzahlen in geordnete Bahnen lenken. Weitergehende Eingriffsmöglichkeiten des Moderators gibt es auf der technischen Ebene nicht. Eine weitere Lenkung einer Diskussion ist nur verbal möglich, indem der Moderator zum Beispiel einen Teilnehmer auffordert, zu einer Äußerung Stellung zu beziehen.

Die Kommunikation erfolgt im Chat ausschließlich zwischen den jeweils im Channel anwesenden Personen. Darüber hinaus kann der Verlauf eines Chats protokolliert und das Protokoll später veröffentlicht werden. Es ist jedoch nicht möglich, beispielsweise einem momentan nicht anwesenden Teilnehmer eine Nachricht zu hinterlassen oder - wie bei Mailinglisten und Newsgroups - offline an Diskussionen teilzunehmen.

Die üblicherweise im IRC anzutreffenden Inhalte gehen selbst in technisch orientierten Kanälen, die zum Beispiel bestimmte Softwareprodukte zum Thema haben können, selten über Smalltalk-Niveau hinaus und erinnert dabei an die Kommunikation im CB-Funk.

Fazit:
Das IRC ist zu unsicher für öffentliche und wirtschaftliche Anwendungen.
Außerdem ist zu umständlich für Neunutzer; es wird eine Extra-Software benötigt und ein Anfänger muß die Bedienung erst erlernen; Chats ergeben nicht immer einen Sinn oder sind ergebnisorientiert.

Newsgroups im Internet

Newsgroups werden gern als elektronische "Schwarze Bretter" bezeichnet. Doch Newsgroups bieten ihren Nutzern mehr, als nur virtuelle Zettel mit Gesuchen und Angeboten aufzuhängen. Newsgroups sind elektronische Diskussionsforen, können aber auch zur bloßen Verbreitung von Texten, Bildern und Programmen genutzt werden. Der Begriff ist aus journalistischer Sicht irreführend. Vorwiegend sind mit den sogenannten "Newspostings" meinungsorientierte Beiträge und nicht News im Sinne journalistischer Nachrichten zu verstehen.

Wie an einem Schwarzen Brett erfolgt die Kommunikation in einer Newsgroup zeitversetzt. Jeder Teilnehmer kann Beiträge einspeisen, die dann für eine gewisse Zeit (in der Regel von einigen Tagen bis zu einigen Wochen) von anderen gelesen und beantwortet werden können.

Zur Teilnahme an Newsgroups ist eine besondere Software - ein Newsreader - erforderlich. Die gängigen WWW-Browser (Netscape, Internet Explorer) verfügen zwar über entsprechende Module, die jedoch nur beschränkt brauchbar sind. Für nahezu alle Computersysteme gibt es eigenständige kostenlose Newsreader.

Neben einem Newsreader benötigt der Nutzer eine Zugangsberechtigung für einen Newsserver (betrieben von Internet-Providern, Universitäten, Firmen, Vereinen oder Privatpersonen) sowie eine E-Mail-Adresse. Ein Internet-Zugang ist nicht unbedingt notwendig, da Newsserver zum Teil auch direkt über Telefon-Wählleitungen erreicht werden können.

Am effizientesten können Newsgroups mit einem Offline-Reader genutzt werden. Das ist ein Programm, das Newsartikel in einer lokalen Datenbank verwalten kann. Damit muß nur noch gelegentlich zum Datenaustausch eine Verbindung zu einem anderen Newsserver aufgebaut werden. Zum Lesen und Schreiben von Artikeln muß hingegen keine Verbindung bestehen, was die Telefonkosten bei intensiver Nutzung deutlich senkt. Mit den Newsreader-Modulen der Web-Browser ist diese Art der Nutzung nicht möglich, sie benötigen ständig eine Online-Verbindung.

Verbreitet werden Newsgroups über ein weltweites Netz von Servern. Jeder Server-Betreiber ist sein eigener Herr und kann selbst entscheiden, welche Newsgroups er woher bezieht und an wen er sie weitergibt. Eine Gruppe ist jedoch nur dann sinnvoll nutzbar, wenn sie von möglichst vielen Servern geführt wird, da sie sonst keine ausreichende Verbreitung findet. Zwar ist es technisch möglich, einen isolierten Newsserver irgendwo im Netz zu betreiben, aber die Nutzung eines solchen Servers wäre mit einer Vielzahl von Schwierigkeiten verbunden und für eine Reihe von Netzteilnehmern vollkommen unmöglich. Deshalb müssen die News zu den Menschen kommen und nicht umgekehrt. Eine Newsgroup, die von vielen Menschen genutzt werden soll, muß an jeder Universität, bei jedem ISP und bei jedem Onlinedienst verfügbar sein. Dennoch existieren unzählige Newsgroup-artige Diskussionsforen im World Wide Web.

Damit trotz der unumschränkten Herrschaft der Serverbetreiber über ihre Systeme eine sichere Verbreitung der Newsartikel gewährleistet werden kann, haben sich formale Verfahren zur Einrichtung und Löschung von Gruppen entwickelt. Damit wird versucht, einen Konsens herzustellen, der durch eine öffentliche Abstimmung dokumentiert wird. Das ändert nichts daran, daß jeder nach Belieben Gruppen führen kann oder eben auch nicht, aber die Ergebnisse der formalen Verfahren werden weithin akzeptiert. Allerdings ist die Einrichtung neuer Newsgroups auf diesem Wege recht langwierig. Experimentelle Gruppen finden wenig Anklang und fallen bei Abstimmungen in der Regel durch. Deshalb gibt es Teilbereiche, in denen die Einrichtung einer Gruppe ohne Diskussion und Abstimmung möglich ist, sofern sich nach einer Ankündigung kein Protest regt. Diese Newsgroups finden dafür geringere Verbreitung und zur Einrichtung muß man technische Standards gelesen und verstanden haben, um entsprechende Steuernachrichten erzeugen zu können.

Newsgroups sind ein verhältnismäßig langsames Medium. Die Lesegeschindigkeit wird alleine vom Leser bestimmt; ist das Artikelaufkommen ("Traffic") einer Gruppe zu hoch, so wird sie in mehrere Untergruppen geteilt. Wer auf Äußerungen eines anderen Teilnehmers reagieren möchte, muß das nicht sofort tun, wie etwa im Chat oder im direkten Gespräch. Gedankengänge lassen sich in Ruhe entwickeln, Argumente formulieren, bevor sie als Nachricht abgesendet werden. Aus diesem Grunde können in Newsgroups auch anspruchsvolle Diskussionen auf hohem Niveau geführt werden. Theoretisch jedenfalls. Eine Newsgroup kann auch schnell unlesbar werden, das läßt sich vor allem bei stark emotionsgeladenen Diskussionen beobachten, wie es sie gerade zu politischen Themen häufig gibt. Nicht ohne Grund bieten viele Newsreader die Möglichkeit, Artikel anhand des Absenders und des Betreffs zu filtern.

Gut gelöst ist die Darstellung von Diskussionsverläufen ("Threads"). Aus den Antworten auf einen Artikel, den Reaktionen auf diese Antworten und so weiter entsteht eine Baumstruktur. Jede Antwort enthält maschinenlesbar codiert die Information, auf welche Nachricht sie sich bezieht. Newsreader nutzen diese Informationen, um die Struktur der Threads mehr oder weniger übersichtlich darzustellen. Der Nutzer kann darin leicht navigieren, also zum Beispiel zu einer Antwort die Bezugsnachricht aufrufen oder andere Antworten auf dieselbe Nachricht einsehen. In einer Newsgroup können problemlos mehrere Diskussionen zu einem Themengebiet parallel geführt werden.

Newsgroups sind eng mit dem Dienst E-Mail verbunden. Wer eine Nachricht in eine Newsgroup schickt, muß dazu seine E-Mail-Adresse angeben. Es ist damit möglich, auf einen Artikel auch per E-Mail zu antworten und so Kommentare abzugeben, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind oder in der Newsgroup stören würden.

Wie lange ein Artikel nach dem Absenden zum Lesen bereitsteht, ist von Server zu Server verschieden. Üblich sind ungefähr 14 Tage, aber jeder Systembetreiber kann davon abweichen. Im World Wide Web gibt es einige Archivsysteme, die die Artikel über lange Zeit aufbewahren und eine Stichwortsuche ermöglichen (z.B. Altavista, Dejanews). Unabhängig davon kann jeder Teilnehmer seine Artikel löschen ("Canceln"). Technisch ist auch das Canceln fremder Nachrichten möglich, aber das wird nur in wenigen Fällen von den Teilnehmern akzeptiert.

Newsgroups können auch moderiert sein. In diesem Falle darf nur der Moderator Beiträge in die Gruppe setzen. Die Artikel müssen bei diesem Moderator per E-Mail eingereicht werden; in der Regel erledigt das die Software automatisch, wenn man versucht, in eine moderierte Gruppe zu schreiben.

Warum wurde Tele-o-Log nicht mit Newsgroups realisiert ?
Tele-o-Log sollte

  • für alle Internet-Nutzer öffentlich verfügbar sein;

  • in einem System Live- und zeitversetzte Diskussionen integrieren;
  • zielgerichtete Debatten ermöglichen, die sich nicht in Diskussionsfäden verlieren und sich mit einem vorgegebenen Thema beschäftigen;
  • keine separate Software erfordern;
  • ein integriertes Archivsystem besitzen;
  • auch von Laien bedienbar sein;
  • geringeren administrativen Aufwand für Anbieter mit häufigem Themenwechsel haben;
  • keine Ressourcen in Anspruch nehmen;
  • Anonymität gewährleisten.

Mit Newsgroups könnten nicht alle Anforderungen realisiert werden, wie aus den vorangegangenen Beschreibungen hervorgeht.

Diskussionen per E-Mailinglisten im Internet

Mailinglisten sind automatische Verteiler für E-Mail. Sie werden im Internet häufig auch zur Diskussion genutzt. Die Teilnehmer können sich meist selbst in solche Listen eintragen, indem sie eine Nachricht mit entsprechenden Befehlen an eine dafür bestimmte E-Mail-Adresse senden. Da diese Methode recht fehlerträchtig ist, empfiehlt sich ein Web-Interface (Formular) zum An- und Abmelden. Der Verteiler selbst besitzt ebenfalls eine E-Mail-Adresse. Alle Nachrichten, die jemand dorthin schickt, werden als Kopien an alle anderen Teilnehmer weitergeleitet. Zur Teilnahme an einer Mailingliste ist also nur ein E-Mail-Zugang und die zugehörige Mailsoftware nötig. Damit stellt die Mailinglist die geringsten Anforderungen an Netzzugang und Software.

Eine Mailingliste kann sehr schnell eingerichtet werden. Man muß dazu niemanden fragen. Ein Rechner mit E-Mail-Anbindung und eine geeignete Software genügen. Wer darüber nicht verfügt oder sich nicht mit den Tücken der Software herumschlagen möchte, kann auch die Dienste seines Internet-Providers in Anspruch nehmen. Einmal eingerichtet, steht eine Mailingliste sofort allen Menschen mit Netzzugang zur Verfügung. Als Beispiel wurde die Mailingliste für Tele-o-Log-Interessenten eingerichtet:

netzforum-list-request@netzforum.de

In der ersten Textzeile der E-Mail geben Besteller den Befehl SUBSCRIBE an.

Die Kommunikation in Mailinglisten ist der in Newsgroups sehr ähnlich. Beides kann sogar mittels eines Gateways miteinander verbunden werden. Allerdings eignen sich Mailinglisten eher für Anwendungsfälle, in denen das Nachrichtenaufkommen gering ist, da E-Mail-Software nicht so gut mit großen Nachrichtenmengen zurechtkommt wie Newsreader. Eine Mailingliste mit zweihundert Nachrichten pro Tag ertragen nur Hartgesottene, in einer Newsgroup läßt sich dieser Traffic hingegen leicht bewältigen. Deshalb werden vielgenutzte Mailinglisten oft auch als Digest angeboten. Die Teilnehmer erhalten dann die Beiträge eines gewissen Zeitraumes, zum Beispiel eines Tages, gesammelt in einer einzelnen Nachricht.

Auch Mailinglisten können moderiert sein. Das ist für die Nutzer weitgehend transparent. Sie bemerken die Moderation lediglich dann, wenn einer ihrer Beiträge nicht veröffentlicht wird. Zusatzfunktionen, die über die Nachrichtenvermittlung hinausgehen, lassen sich allenfalls über spezielle Mailserver realisieren. Beiträge einer Mailingliste können automatisch archiviert und im WWW zum Lesen angeboten werden.

Warum wurde Tele-o-Log nicht mit Hilfe von Mailinglisten realisiert?

  • Weil Mailinglisten in erster Linie zur Verteilung und nicht zur Diskussion entwickelt wurden - in der Realität wird auch nicht über den Weg der Rundschreiben diskutiert;

  • Weil öffentliche Zugänge in Cafés oder Messen nur über WWW-Zugriff verfügen;
  • Anonyme Tele-o-Log-Diskussionen senken im Vergleich zu personenorientierter E-Mail die Hemmschwelle;
  • Eine vernünftige Teilnahme an Diskussionen per Mailinglisten erfordern einen dauerhaften Internet-Zugang und einen Computer (Tele-o-Log kann auch von Messen, Cafés oder vom Arbeitsplatz besucht werden);
  • Tele-o-Log vereint zeitversetzte Diskussion und Live-Elemente mit Bildübertragung;
  • E-Mail ist vom Umfang her nicht begrenzt;
  • Tele-o-Log beinhaltet verschiedene Kommunikationsmodelle und Zusatzfunktionen wie Umfragen und Abstimmungen.

Geplant ist jedoch, die E-Mailinglisten als Einweg-Verteilinstrument für passive Abonnenten zu nutzen beziehungsweise die Weiterleitung von Fragen per E-Mail, die in Diskussionsrunden per Mailingliste entstehen, zu ermöglichen.

Hinter Tele-o-Log verbirgt sich ein Modell, ein Verfahren für Arbeitsabläufe, das mit Mailinglisten, Newsgroups oder IRC-Chats nur manuell und mit entsprechendem Know-How von allen am Kommunikationsprozeß Beteiligten sowie administrativem Aufwand realisiert werden könnte - zu denken ist dabei allein an die Zuschaltung von Dolmetschern und Referenten. Auch wäre eine Realisierung mit Lotus Notes oder ähnlichen Standardprodukten für Workgrouping niemals auf eine breitere Akzeptanz gestoßen. Es ist auch nicht geplant, Schnittstellen für einzelne Produkte oder andere Internet-Dienste wie Newsgroups neu zu erfinden. Der kleinste gemeinsame Nenner ist derzeit E-Mail nach Internet-Praxisstandard. Und: Tele-o-Log kann online mit Hilfe von "Anonymisierungsdiensten"14 auch tatsächlich anonym genutzt werden, andere Dienste lassen sich zumindest vom Internet Provider zurückverfolgen.

Tele-o-Log: Ausblick

Das Projekt Tele-o-Log ist als reines Telearbeits-Projekt angelegt. Das heißt, alle Beteiligten arbeiten von unterschiedlichen Standorten aus. Die Kommunikation erfolgte fast ausschließlich über E-Mail sowie über Telefonkonferenzen im ISDN-Netz. Dabei zeigte sich, daß es ohne gelegentliche Zusammenkünfte zu Mißverständnissen kommt. Für die Zukunft ist zu diesem Zweck ein Projektbüro unerläßlich.

Sachsen bot und bietet nach unserer Ansicht mit den zahlreichen privat betriebenen Kabelnetzen gute Voraussetzungen zur Entwicklung bürgernaher Telematiksysteme im politischen Bereich. Die "friedliche Revolution" von 1989 könnte ein "Vermarktungs-Argument" für Teledemokratiedienste aus Ostdeutschland sein. Tele-o-Log sieht sich als Vorreiter in diesem Bereich. Doch Teledemokratiesysteme sind keine starren Einrichtungen, sie müssen redaktionell betreut und aktiv ausgestaltet werden - ansonsten entstehen "tote Web Sites". Wie Programme in anderen elektronischen Medien sind sie sehr arbeitsintensiv. In Sachsen gibt es zahlreiche Bürger, die zwar keiner Partei angehören, aber politisch interessiert sind, durch Arbeitsplatzverlust freigesetzte Wissenschaftler, die nach Aufgaben suchen. Sie zu mobilisieren, wäre eine Möglichkeit, Teledemokratiesysteme am Laufen zu halten.


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Webautor: Alexis Hochschild, webmaster@set.saxony.de
Letzte Seitenaktualisierung: 5. November 1998, webmaster@netzforum.de