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Tele-o-Log und die Informationsinitiative

"Drei Fragen bewegen uns. Wo sind wir? Wo sollen wir hin? Wo wollen wir hin? Und die Zusatzfrage lautet: Gibt es Antworten?"
Medienkünstler Padeluun auf dem Kongreß "Infoflut und Datenmeer", Landesbildstelle Württemberg, 1996

In der Medien- und Bürgerrealität wird "elektronische Demokratie" häufig auf wenige Aufgaben und Funktionen verkürzt: "Stimmenabgabe per Mausklick" oder "Wahl per Internet". Die Auffassung, Demokratie bestünde lediglich aus dem Wahl-Vorgang, verkürzt den tatsächlichen demokratischen Prozeß enorm - nur die endgültige Entscheidung steht im Fokus, der Weg dahin bleibt im dunkeln. Das eigentlich wichtige, die Aufgabe der Politik, ist es jedoch, einen allgemeinen gesellschaftlichen Konsens zu erreichen und von der Allgemeinheit getragene Entscheidungen herbeizuführen. An Politikern ist es auch, öffentliches Vertrauen in das demokratische Rechtssystem herzustellen - politische Vorgänge transparent zu machen. Ein Instrument zu diesem Zweck könnte das Konferenzsystem Tele-o-Log sein.

Doch die "große Politik" ist für viele Bürger im täglichen Leben weniger wichtig. Eine größere Rolle für das Vertrauen der Öffentlichkeit spielt eine bürgerfreundliche, funktionierende Verwaltung 49. Trotz angespannter Haushaltslage ließe sich auf diesem Sektor mit Hilfe von IuK-Techniken und Verfahren wie "Teleadministration" eine Verbesserung für den Bürger und bei der Kostensituation erzielen. Die Bürger erhoffen sich vom Einsatz von Computernetzwerken Verwaltungsvereinfachung, wollen sich Behördengänge ersparen. Das ist auch in den Ergebnissen der ISPO-Untersuchung "Measuring Information Society 1997" abzulesen - der Wunsch, mit Politikern online in eine Debatte zu treten, spielt da nur eine untergeordnete Rolle, steht fast überall an letzter Stelle. Warum also Tele-o-Log ? Im folgenden Kapitel möchten wir Anwendungen, die dem Bürger einen Mehrwert erbringen und mit Hilfe von Tele-o-Log realisiert werden können, beschreiben. Außerdem wird auf politische sowie organisatorische Voraussetzungen für den Einsatz (Machbarkeit) eingegangen.


Die SII - Informationsinitiative und Tele-o-Log

Die Sächsische Informationsinitiative (SII) ist eine offene Plattform sächsischer öffentlicher und privater Unternehmen, Institutionen und Einzelpersonen, die sich das Ziel gesetzt haben, Sachsens Weg in die Informationsgesellschaft zu beschleunigen. Bereits im Frühjahr 1995 entstand die SII als Teil der von der Europäischen Kommission geförderten IRIS-Initiative (Inter-Regional Information Sociecty Initiative) mit Unterstützung des Sächsischen Ministeriums für Wirtschaft und Arbeit (SMWA). Über 20 Pilotprojekte wurden initiiert, darunter auch das betreute Projekt Tele-o-Log, und der Aktions- und Strategieplan "Sachsens Weg in die Informationsgesellschaft" ausgearbeitet. Die SII wird von der Sächsischen Entwicklungsgesellschaft für Telematik (SET) koordiniert. Tele-o-Log ist eines von vielen Projekten innerhalb der SII. Seit Entwicklung und Ersteinsatz von Tele-o-Log im März 1997 wurden mit diesem System praktische Erfahrungen in den Bereichen Teledemokratie, Telearbeit und Telekooperation gesammelt. Zahlreiche kostenfreie Bürgerdienste wurden mit Hilfe des Internet erbracht, darunter zum Beispiel Beratung rund um das Thema Bauen/Bausanierung.

Einige Ziele der SII - wie in Kapitel 1 bereits ausführlich beschrieben - wurden mit Tele-o-Log in konkreten Teilprojekten verwirklicht.

Politische Voraussetzungen

"Die sich vollziehende Demokratisierung muß durch eine netzwerkorientierte Politik begleitet werden, die den kybernetischen Wirklichkeiten der Teilnehmer von Endo-Welten wie dem Cyberspace gerecht wird. Da im Cyberspace die Politik zunehmend durch das System-Design ersetzt wird, werden Politiker neuartige Fähigkeiten benötigen."
John Hormann, 1997, Management-Berater Expo2000 50

Grundlegende politische Veränderungen sind nicht notwendig, um technische Instrumente wie Tele-o-Log einzusetzen, allerdings erfordern sie eine Änderung im Bewußtsein. Tele-o-Log ist ein Werkzeug für "Electronic Democratization" (siehe vorgeriges Kapitel), das auf der repräsentativen Demokratie-Struktur aufsetzt und diese um neue Möglichkeiten (mehr Information, größere Transparenz zum Beispiel) und gegebenenfalls auch direktdemokratische Elemente ergänzt.

"Informationsgesellschaft" erfordert Vertrauen

Politiker in der repräsentativen Demokratie haben zunächst ein Interesse: wieder gewählt zu werden. Dafür ist das Vertrauen der Öffentlichkeit notwendig. Dieses Vertrauen kann mit geeigneten Maßnahmen, mit modernen Public Relation Methoden, für nahezu jeden Politiker hergestellt werden. Doch was geschieht, wenn sich diese "Öffentlichkeit" - die vor Jahrzehnten ausschließlich in Kneipen, am Arbeitsplatz oder auf der Straße stattfand - verändert?

Nach Ansicht von Prof. Dr. Gerhard Schulze, Uni-Bamberg 51, entstehen unter anderem durch die Online-Medien auch neue Formen von Öffentlichkeit:

  1. Die klassische Konsumbeziehung, bei der Produkte angeboten und nachgefragt werden.

  2. Die zweckbezogene Interaktion: Kooperationsbeziehungen, Dienstleistungen, Produktgestaltungen gemäß der Rückmeldung der Kunden, Beratung oder therapeutische Eingriffe.
  3. Schulze: "Virtuelle Milieus lassen sich vorerahnen" ... "Darunter verstehe ich Gruppen von Menschen, die sich, ohne ein bestimmtes Endergebnis anzustreben, immer wieder im Netzwerk der Medien treffen. .... Im virtuellen Milieu ... ist der Ort, an dem man sich trifft, nur eine Informationsverbindung, die jedem zu jeder Zeit offensteht. Nichts ist bequemer, als diesen Ort zu erreichen oder wieder zu verlassen. Die Milieuangehörigen bleiben füreinander weitgehend unsichtbar ... Niemand muß damit rechnen, als ganze Person wahrgenommen zu werden. Die Kommunikation im virtuellen Milieu wird hauptsächlich sach-zentriert sein, beschränkt sich auf das Inhaltsgebiet der jeweiligen Suchbegriffe ... Schließlich werden virtuelle Milieus öffentlich nicht mehr sichtbar sein - es wird unendlich viele kurzlebige Milieus geben, nicht mehr, wie wir es bisher gewöhnt waren, einige wenige, die ihr Unterschiedensein ständig öffentlich herausarbeiten und sich dadurch im Bewußtsein verankern ... In der Gesellschaft der virtuellen Milieus implodiert jener kollektive Diskussionszusammenhang, den wir als ‘Öffentlichkeit’ bezeichnen." Mit dem verändernden Begriff der Öffentlichkeit und der Zunahme von temporären Teilöffentlichkeiten sind daher auch neue Instrumente erforderlich - und neue Politiker-Typen.

An demokratischen Prozessen sind jedoch nicht nur Politiker, sondern zahlreiche "unsichtbare" Mitarbeiter und Beamte der öffentlichen Verwaltung beteiligt. Sie dienen aus (verständlichen) Karrieregründen zunächst den gewählten Politikern, nicht dem Bürger. Daher und aus den bereits genannten Gründen empfehlen wir, Teledemokratiesysteme wie Tele-o-Log nicht innerhalb, sondern gemeinsam mit der öffentlichen Verwaltung zu entwickeln, um frei von Entscheidungszwängen zu sein.

Am politischen Prozess sind außerdem zahlreiche Lobbyisten und Gutachter beteiligt, insbesondere beim Herbeiführen von Entscheidungsprozessen. Diese könnten bei mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung auch Machtverlust befürchten. Aus dem Lager der "Gutachterdynastien" (Zitat Professor Kleinsteuber auf der "Netzdiskurs"-Tagung im Dezember 1997 in Loccum) wäre eventuell Widerstand gegen den Einsatz solcher Systeme zu erwarten, bezieht man diese Kräfte nicht ein. Denn um Systeme wie Tele-o-Log im Interesse des Bürgers zu installieren, ist mehr Transparenz in den parlamentarischen Ausschüssen, im parlamentarischen Alltag erforderlich, das heißt auch lückenlose Aufklärung darüber, wer als Fachexperte den Staat berät und wie.

Eine Informationsgesellschaft setzt auch die notwendigen Informationen voraus, die über Telematiknetze transportiert werden können. So sind nach unseren Recherchen keine elektronischen Informationen des Sächsischen Landtages (Anfragen, Gesetzesentwürfe) per E-Mail oder online im WWW verfügbar. Künftig allerdings wird der Sächsische Landtag das parlamentarische Schriftgut auf Basis von Internet-Technologien umstellen. Erbracht wird dieser Dienst von den beiden Chemnitzer Unternehmen Hübner Computersysteme und InnoMate Sachsen. Diese Umstellung ist eine unbedingte Voraussetzung für die Entwicklung von Teledemokratiesystemen. Dieses winzige Detail der "digitalen Information" wird häufig unterschätzt. Wir stellten fest, daß die Digitalisierung und Konvertierung in entsprechende Datenformate sehr aufwendig - auch personalintensiv - ist.

Untersuchung künftiger Einsatzgebiete und Anwendungen

Für den Prototypen von Tele-o-Log gibt es zahlreiche Ideen für Einzelanwendungen - von der "interministeriellen Online-Behörde" bis zum parlamentarischen Bürgerdienst für Ausschußdebatten. Es ist geplant, die bisherigen Anwendungsgebiete zu forcieren und neue zu finden, um weitere praktische Untersuchungen durchführen zu können.

Tele-o-Log als "Interministerielle Online-Behörde"

Während der Konferenz "Altbausanierung" entstand die Idee einer "interministeriellen Online-Behörde"52. Dahinter verbirgt sich eine einzige Anlaufstelle (unter einer Adresse) für Bewohner eines Landes oder Landkreises, wenn es um Behördenfragen geht - gleich, welcher Art. Sicherlich kann ein derartiges Kommunikationsprojekt, wenn es konsequent verfolgt wird, per E-Mail auch funktionieren - eine Art "elektronischer Kummerbriefkasten", von welchem ein Online-Moderator die elektronische Post auf die Schreibtische der richtigen Ansprechpartner für das jeweilige Problem leitet. Der Nachteil ist in diesem Fall jedoch die fehlende öffentliche Transparenz und eventuelle Mehrarbeit, taucht ein Problem merhfach auf. Daher bietet sich Tele-o-Log bei Themen, die behördenübergreifend sind, zum Beispiel "Bauen" und "Arbeit", an. Tele-o-Log erbringt in diesem Fall klassische Teledienstleistungen: Telemanagement und Teleadministration, im Prinzip ein aus der Verwaltung auslagertes Kommunikationsbüro mit Supervisorstatus. Auch läßt sich mit Hilfe von Tele-o-Log eine Art interaktives Bürgerbuch erstellen, zum Beispiel "1000 Fragen an die Behörden und 1000 Antworten".

Doch der Bürger will mehr. Er sucht nicht nur den richtigen Ansprechpartner, er möchte auf seine persönliche Daten zugreifen, diese verändern oder ergänzen, was natürlich eine bürgerfreundliche und schnelle Verwaltung sowie gegebenenfalls rechtliche Änderungen erfordert. Was sind Teleadmininstrationsdienste? Teleadministration beschreibt die Verwaltungsvorgänge, die mittels Telematik durchgeführt werden. Einige Beispiele: Bürger wollen ein Auto, eine Wohnung an- oder ummelden, Arbeitslosengeld oder -hilfe beantragen, ihre Steuererklärung abgeben. Daß dies per Internet noch nicht möglich ist, wird oft mit dem Problem des mangelnden Datenschutzes und der fehlenden elektronischen Zahlungsmöglichkeiten für Gebühren begründet. Doch die technischen Mittel, derartige Dienste sicher anzubieten, sind längst vorhanden. Und in Sachsen wird längst mit Cybercoins 53 experimentiert. Für "Teleadministration" existiert nach unserer Ansicht eine Nachfrage, der Markt privater Bürgerdienste ist weiter im Aufbau. Finanziert werden kann dieser Bereich über die bisherigen Gebühreneinnahmen, die sich Behörde und/oder privater Dienstleister teilen können. "Teledemokratie", die Teilnahme am politischen Entscheidungsprozeß, dagegen befindet sich eher im öffentlich-rechtlichen Raum, der einer Finanzierung durch öffentliche Verwaltung und Bürger bedarf.

Das "Teledemokratie"-Experiment Tele-o-Log bietet sich auch als Entwicklungsinstrument für Teleadministrationsdienste an. Die Bürger können in der Diskussion Ideen für eine bürgerfreundliche Verwaltung und deren Realisierung entwickeln. Außerdem besteht bei Tele-o-Log die Möglichkeit, einzelne Testdienste einzubauen und direkt auszuprobieren. Allerdings: Tele-o-Log eignet sich nicht für den Ausbau der teleadministrativen Dienste, sondern lediglich für deren Entwicklungs- und Testphase. Bei verwaltungsübergreifenden Themen jedoch wäre Tele-o-Log ein neutrales und zentrales Kommunikationsinstrument für Bürger und Regierung, könnte als "Behörden-Orakel" eines Bundeslandes Geschichte machen.

Gesetzes- und Ausschußdebatten

Am interessantesten erscheint uns der Einsatz von Tele-o-Log im parlamentarischen Alltag. Abgeordnete beziehungsweise parlamentarische Mitarbeiter müssen sich zur Entscheidungsfindung vielfältig informieren, letztlich aber fehlen den Entscheidungsträgern Meinungen der Bürger zu bestimmten Themen. Ausschüsse können mit Hilfe des Tele-o-Log-Systems ihre Vorhaben in der Öffentlichkeit vorstellen und diskutieren lassen. Wichtig ist allerdings, daß die Meinungen (in einer späteren Phase auch Voten) der Bürger auch in die Entscheidung der Politik einfließen (dies kann durchaus auch begründete Ablehnung des Bürger-Willens sein). Fungieren die Bürger nur als Statisten, die eh keinen Einfluß auf die tatsächlichen Ereignisse nehmen können, verlieren sie das Interesse. Und welchen Sinn macht dann überhaupt Tele-o-Log, Teledemokratie oder Demokratie - bis auf den Wahlkampf ?

Tele-o-Log eignet sich ebenso als Instrument der anonymen Bürgerbefragung.

Kommunal-, Landtags- und Bundestagswahlen

Auch für Kommunal-, Landtags- oder Bundestagswahlen kann Tele-o-Log als Meinungsbildungs-Instrument fungieren. Abgeordnete können sich und ihr Wahlprogramm vorstellen, Kandidaten können öffentlich miteinander debattieren. Wahltrend per Online-Umfrage ließen sich ebenso ermitteln. Tele-o-Log kann auch die Abgeordneten-Home Page im WWW und eventuell die Teilnahme von Abgeordneten an Newsgroup-Diskussionen ergänzen.

Inter-Regionale Konferenzen

Demokratische Prozesse finden zum einen auf lokaler Ebene statt. Zum anderen sind viele Veränderungen und Probleme global. Im Umweltbereich wurde daher zum Umweltgipfel in Rio de Jainero eine "Local Agenda 21" verabschiedet, mit der eine umweltfreundliche Politik durch Zusammenarbeit der Kommunen auf lokaler Ebene realisiert werden soll. Mit Tele-o-Log können mehrsprachige, interregionale Konferenzen stattfinden, an denen sich auch die Bürger der verschiedenen Regionen und Ballungsgebiete weltweit beteiligen können. Außerdem können internationale Tagungen begleitet werden, zum Beispiel zu Themen wie EU-Erweiterung in Richtung Osteuropa, UN-Sitzungen oder ähnliches.

Damit Entwürfe nicht in endlosen Debatten "zerredet" werden, bietet das Tele-o-Log-System die Möglichkeit des zielgerichteten Dialoges an. Entwürfe sowie verdichtete Informationen werden mit Quellenangaben für einen vorbestimmten Zeitraum zur Diskussion gestellt, offene Fragen beantwortet und anschließend ein Konsens durch Abstimmung (zunächst ohne Prüfung) erzielt.

Politische Bildung mit Tele-o-Log

Tele-o-Log kann helfen, öffentliches Bewußtsein für neue Medien, Internet und Teledienste zu schaffen. Diese Zielrichtung deckt sich mit einem unternehmerischem Ziel der SET und sollte daher verstärkt gemeinsam in Angriff genommen werden. Tele-o-Log kann zur politischen Bildung in Instituten, an Schulen und Hochschulen eingesetzt werden. Erste positive Erfahrungen sammelten wir mit "Tele-o-Log on-the-road" und dem "Web-Trabi"-Projekt der SET. Die Bürger erleben eine positive, sinnvolle Anwendung im Internet und erfahren mehr über die Aktivitäten ihrer Administration. Beispiel: Schülerinnen und Schüler könnten, wie bereits im Mai 1997 mit Tele-o-Log angeregt, an einem öffentlichen Politikunterricht in englischer Sprache im Internet gemeinsam mit dem Kultusminister sowie englischsprachigen Klassen teilnehmen. Online-Moderation und -Redaktion würde von den Schülern übernommen. Ein ähnliches Beispiel zeigten wir bereits erfolgreich auf der Leipziger Messe im Juli 1996 mit dem Projekt "Surfendes Klassenzimmer": Schüler des Leipziger Max-Klinger-Gymnasiums demonstrierten live einen Geschichts- und Kunstunterricht mit Hilfe von Internet-Recherchen.

Tele-o-Log ist für Unternehmen und Politiker ideal für die Bereiche PR und Marketing einsetzbar. Sie werden in der Öffentlichkeit mit Namen, Logo und Foto präsentiert und mit einer PR-Botschaft ausgestattet. Den besten Nutzen erzielten die am Teilprojekt "Altbausanierung" beteiligten Unternehmen im Bereich der internen PR. So zeigte sich zum Beispiel die Deutsche Bank Leipzig als experimentierfreudig und attraktiv für Bankangestellte im gesamten Bundesgebiet. Mit der Online-Konferenz wurde auch in der Praxis deutlich, wie sich die Arbeitswelt durch Hilfsmittel wie Tele-o-Log verändert.

Kopplung mit TV - Medien-Events

"Eine Reise durch die heutige Programmwelt an einem beliebigen Fernsehabend läßt erkennen, was ganz vehement zu- und deutlich überhandgenommen hat ... Diese unendliche, ausweglose, schleichende Banalisierung und Trivialisierung macht die Hirne kaputt."
Bundespräsident Roman Herzog, 1996

Das Tele-o-Log-System wurde während der Entwicklung auf die Nutzung mit verschiedenen Endgeräten konzipiert, nicht allein für PCs. Vor allem mit der zunehmenden Kopplung von TV und Internet entstehen auch im Bereich der Teledemokratie neue Möglichkeiten. Tele-o-Log kann in der heutigen Form bereits zur Begleitung von politischen Fernsehdiskussionen eingesetzt werden - als Mischung aus Videotext und Zuschauertelefon. Derartige Diskussionen könnten auf TV-Geräten mit 16:9 (wegen der Übersichtlichkeit) mehrgeteilt auf dem Bildschirm ablaufen, ein Drittel mit der Fernsehdebatte und auf zwei Dritteln mit Informationen und Online-Debatte (nur-Text). Mit Tele-o-Log bietet sich die Entwicklung eines interaktiven und politischen Sendeformates im öffentlich-rechtlichen Bereich an. Privatsender zeigten bisher kaum Interesse an Interaktivität, bis auf Ausnahmen wie Kabel1.

Fazit:
Es gibt zahleiche Ideen, um Teledemokratieinstrumente wie Tele-o-Log erfolgreich einzusetzen. Vielfach fehlt jedoch bei Bevölkerung (vor allem bei Politikern) ein Grundlagen-Know-How über Internet, Berührungsängste und Hemmschwellen existieren. Uns erscheint daher ein längerfristiger Einsatz von Tele-o-Log und auch anderen Telematiksystemen, die den Bürgeralltag beeinflussen werden, nur in Verbindung mit anfänglicher, persönlicher Präsenz (Events, "Tele-o-Log on-the-road") sinnvoll. Regionale Messen dagegen erscheinen uns als Kommunikationsplätze weniger sinnvoll.

Konferenzen und Debatten 1998

Im Jahr 1998 sind weitere Tele-o-Log-Konferenzen geplant und angedacht. Wir möchten an dieser Stelle nur einige Beispiele nennen und verweisen auf den Online-Programmkalender bei Netzforum.de

Im April 1998 finden in Leipzig Oberbürgermeister-Wahlen statt. Wir haben einen Online-Wettstreit zwischen den Hauptkandidaten der SPD und CDU im Tele-o-Log angeregt. Weiterhin machbar und geplant:

  • eine internationale Blindenkonferenz mit blindem Moderator;

  • eine interkulturelle Konferenz mit deutschen und russischen Künstlern, online moderiert von einer ARD-Korrespondentin;
  • eine dauerhafte Experimentalkonferenz der Entwickler, um Bürgeranregungen aufzunehmen;
  • eine mehrmonatige Konferenz der Zukunftskommission mit Bundespräsidenten Herzog;
  • Begleitung eines Parteitages;
  • Einrichtung eines experimentellen Wahlkreisbüros eines Bundestagesabgeordneten;
  • Konferenzen zu aktuellen Themen u.a. mit Verteidigungsminister Rühe;
  • Vorstellung im Sächsischen Landtag, in der Leipziger Kommune;
  • Erprobung mit einer Gewerkschaft;
  • Mitteldeutsche Wirtschafts- und Internet-Konferenz.

 
Interessant erscheint uns auch der Versuch, Dauerforen zu allgemeinen Dauerthemen einzurichten. Themenbeispiele: "Arbeit", "Zukunft" oder "Reformen" als feststehende Einrichtungen für "Berufsexperten" UND Bürger. Derartige Dauerforen, das heißt Online-Konferenzen, die zeitversetzt über mehrere Monate laufen, haben jedoch den Nachteil, daß sie schnell "einschlafen", wenn sie nicht laufend betreut werden. Auch denken wir über ein offenes, parteineutrales Angebot zur Bundestagswahl 1998 nach.

Ressourcen - Menschen, Zeit, Wissen, Raum

Wir sehen die Gefahr, daß das Tele-o-Log-Projekt bei fehlender öffentlicher Betreuung und unternehmerischer Begleitung in der jetzigen Form nicht weitergeführt werden kann. Zur Zeit ist Tele-o-Log sehr eng mit den Entwickler-Ressourcen verbunden und von diesen abhängig. Als eines der Hauptziele ist ein gemeinsames Projektbüro notwendig, eine Anlaufstelle für die Entwickler, aber auch eine professionelle Präsentationsmöglichkeit für interessierte Bürger (Abgeordnete, Journalisten, Unternehmen etc.). Dieser Raum hat zudem die Möglichkeit, daß eine Telearbeits- und Telekooperationsanwendung in der wirtschaftlichen Praxis demonstriert werden kann.

Um das Projekt weiterhin fortzuführen, ist neben einer zentralen Anlaufstelle zu administrativen und sozialen Zwecken eine Neustrukturierung der Ressourcen notwendig, die mit einer technischen Fortentwicklung in einigen Bereichen parallel verlaufen muß. Wir rechnen rund 150 bis 200 Manntage für die konsequente Fortentwicklung des Systems für verteilte Arbeitsgruppen. Wichtig ist dabei auch eine Auftrennung in Entwicklung und Kommerz. Das heißt, im Entwicklungsbereich muß eine eigenständige Maschine mit einem separatem Internet-Zugang geschaffen werden, um den laufenden Konferenz-Betrieb nicht zu gefährden. Es ist nicht möglich, für Tele-o-Log fremde Ressourcen auf fremden Rechnersystemen, insbesondere mit Microsoft-Betriebssystemen, zu nutzen.

Um die weltweit verteilten Ressourcen (siehe unter anderem Kapitel 2) verstärkt zu bündeln, möchten wir die Gründung eines internationalen Arbeitskreises "Teledemokratie" vom Freistaat Sachsen als Gastgeberland anregen. Außerdem empfehlen wir für den Betrieb aller öffentlichen Konferenzen, Arbeitsstellen - zum Beispiel für Telematik-Assistenten - einzurichten. Bisher wurden alle administrativen Aufgaben von den Entwicklern erbracht, was allerdings die Entwicklung behinderte.

Inhaltlich ist geplant, feste Dauerforen zu installieren und mit einer Datenbanklösung die Veranstalter in die Lage zu versetzen, die Foren in Eigenregie zu betreiben. An der Datenbanklösung wird zur Zeit gearbeitet.

Ökonomische und Management-Ziele

Ein Markt für Demokratiedienste und -produkte?

Existiert ein Markt für Demokratiedienste überhaupt oder planen wir mit einer imaginären Entwicklung? Gibt es bereits Zahlen oder Umfragen? Abgesehen von Untersuchungen der EU und einer Umfrage der SET (siehe Kapitel 2) existieren keine uns bekannten Zahlen über einen Markt für "Teledemokratie" oder "Teleadministration". Alle Annahmen beruhen daher zunächst auf persönlichen Recherchen und Erfahrungen mit Tele-o-Log. Elektronische Demokratiedienste oder parlamentarische Dienste und Produkte sind nicht neu. Parlamente haben - wie Großkunden in der freien Wirtschaft auch - schon seit Jahren einen bestimmten IuK-Bedarf, neu wäre es, den Bürger mittels der Telematiknetze einzubeziehen. Auch für Unternehmen mit offenen Strukturen, die Wert auf Mitarbeiterbeteiligung, Umfragen bis zum Kundenfeedback legen, sind derartige Ideen interessant.

Trennung in "Entwicklung und Kommerz"

Um das Projekt Tele-o-Log zum Laufen zu bringen, war eine Trennung in die Bereiche Entwicklung und Kommerz notwendig. Als Kommerz bezeichnen wir die Vermarktung der Dienstleistung und/oder des Produktes "Telekonferenzsystem". In den Entwicklungsbereich gehören nach unserer Auffassung kein Termindruck oder - eingeschränkt - auch kein Kunden-Support, Vertragsrecht, keine Werbung oder Preisfindung. Eine Trennung in die Bereiche Entwicklung in Kommerz hat zudem den Vorteil, daß bereichsspezifische Sponsoren gefunden werden können. Es gilt, für beide Bereiche eine geeignete Organisationsform zu finden. Im Fall der Vermarktung der Altbaukonferenz wurden ausschließlich bezahlte Kräfte auch aus dem Entwicklerteam eingesetzt. Dies hatte den Vorteil, daß die Entwickler das unmittelbare Feedback auf ihre Arbeit schnell und flexibel umsetzen konnten. Solange sich das Projekt im Experimentalstadium befindet, ist diese Verbindung partiell sinnvoll und sehr effizient.

Der abgetrennte Entwicklungsbereich für Teledemokratie könnte, vorausgesetzt die dort gewonnen Informationen werden veröffentlicht, auch als öffentlich-rechtlicher Raum fungieren - damit sind Überlegungen in Richtung "öffentlich-rechtliches Modell" oder Public-Private-Partnerships" verbunden.

Organisatorische Ziele

Neben den bereits genannten Maßnahmen, wäre für die künftige Entwicklung von Tele-o-Log und verwandten Diensten die Sächsische Entwicklungsgesellschaft für Telematik (SET) der kompetente Ansprechpartner auf Regierungsseite in Sachsen, zum Beispiel:

  • für eine verbesserte aktive Koordination, das heißt z.B. Präsentationsveranstaltungen, auch für internationale Gäste, versenden von Presseinformationen, Zusammenführen von Interessen und Organisationen;

  • Durchführung von Experimenten zur Teledemokratie, z.B. internationale, interkulturelle und interministerielle Konferenzen und Erprobung in Zusammenarbeit mit Parlamenten;
  • Gründung eines (europäischen) Arbeitskreises für Online-Dialoge zwischen "Politexperten, Medien und Bürgern", z.B. in Zusammenarbeit mit der Forschungsgruppe Telekommunikation der Universität Bremen, Professor Herbert Kubicek;
  • Pflege einer Partnerschaft mit anderen Projekten zur "Teledemokratie", Beteiligung von parteinahen Stiftungen;
  • Berufsorientierte Bildungsmaßnahmen, z.b. für Online-Redakteure und Online-Moderatoren in Sachsen,
  • regelmäßige Themenkonferenzen mit unterschiedlichen Wirtschaftsexperten zu Fragen wie "Arbeit", "Neue Jobs", "Ausbildung für neue Jobs", auch parallel in mehreren Konferenzsystemen.

 

Entwicklung im "kreativen Freiraum"

"Um kreativ zu sein, muß man frei entscheiden können".
Bundesarbeitsminister Norbert Blüm, 1997 in einem SAT1-Interview

Permanente Auseinandersetzung mit dem Projekt, mit Bürgern und Politikern gehört zur Entwicklung eines jeden Systems. Bereits während der Entwicklungsphase wurde um jede Funktion gekämpft. Die meisten Mitglieder sind freiwillig im Projektteam, zum großen Teil unbezahlt. Kosten fallen vor allem im Maschinen- und Netzwerkbereich sowie für Telekommunikation und Präsentation an.

Die Entwicklung von Tele-o-Log und ähnlichen Systemen kann für verschiedene Bereiche von Vorteil sein: öffentliche Verwaltung (Bund, Land Sachsen, Kommune Leipzig u.a.), Politiker, EDV-Hersteller, Telekom-Netzbetreiber oder Verlage, die öffentliche Informationen vertreiben.

Ein Institut mit wissenschaftlich-künstlerischem Anspruch im Bereich der neuen Medien, das seit neun Jahren in Frankfurt existiert, hat ebenfalls Interesse am Projekt "Tele-o-Log" gezeigt. Für den Entwicklungsbereich bietet sich die Verlagerung in ein "Institut" oder einen "Verein" als Organisationsform an. Eine Gemeinnützigkeit wird nicht angestrebt.

Denkbar wäre auch die Gründung einer Projektgruppe "Tele-o-Log", die von einem Institut oder einer Forschungsgruppe und der SET getragen wird. Solch ein Modell wäre offen für eine Beteiligung von Universitäten und Schulen.

Die Dienstleistung "Tele-o-Log"
Mit der Veranstaltung von Konferenzen und der Vermietung des Systems wurden 1997 erste Erfahrungen gesammelt. In jedem Fall war es erforderlich, für einen erfolgreichen Konferenzverlauf weiterführende Dienste (zum Beispiel Digitalisierungs-Dienste) und Internet-Beratung zu erbringen, die zunächst in ihrer finanziellen und zeitlichen Dimension nicht erkennbar waren.

Daraus folgend, wurden von uns Konferenzen nur mit indviduellem Exposé angeboten und durchgeführt. Preise standen lediglich für die Stundenhonorare der beteiligten Teammitglieder fest. Schnell stellten wir aber fest, daß
a) die Preise für die Innovation zu hoch erschienen ("Neues" muß häufig umsonst sein oder mindestens billiger als etwas Vorhandenes) und
b) dieses Modell zur Selbstausbeutung führt, das heißt, keine Gelder mehr für Fremdkosten wie Maschinen, Netzwerk und für Investitionen verbleiben.

Geplant ist daher, die Dienstleistungen für alle Formen der "Online-Konferenz" zu standardisieren: Klare Preisinformationen für definierte Dienste. Standardisieren können wir jedoch nicht die Preise für Moderation, Redaktion und Referenten, Dolmetscher und Administratoren. Es ist geplant, derartige Aufgaben zum Veranstalter zu verlagern.

Tele-o-Log ist sehr stark modular aufgebaut, so daß Dienste entsprechend skalierbar für nahezu jedes Bedürfnis sind. Der modulare Aufbau macht es auch möglich, die entsprechenden Ressourcen auf mehrere Systeme zu verteilen und durch eine effiziente Lastverteilung eine hohe Ausfallsicherheit zu ermöglichen.

Die eigentliche Dienstleistung soll auf eine Agentur verlagert werden, ähnlich der bisherigen Arbeitsweise, unter anderem weiterhin zum Medienbüro Leipzig. Es können sich auch andere Veranstalter (zum Beispiel PR-Agenturen) an der Vermarktung von Online-Konferenzen - sei es für Politik oder Wirtschaft - beteiligen. Wir rechnen bei diesen "Smart Events" mit Umsatzgrößen ab 1.000 Mark. Wir bieten, da Tele-o-Log ein "Wissensgenerator" ist, vor allem zusätzliche Dienste aus dem gewonnen Know-How an (Auswertung von Online-Medien oder Verteilungen von E-Mail u.a.). Für Sachsen beziehungsweise sächsische Unternehmen bestehen Chancen, mit derartigen Telediensten eine marktführende Stellung einzunehmen.

Mit der Informationsrevolution geht auch die Individualisierung einher. Massenkommunikationsmedien migrieren zu Individualkommunikationsmitteln. Weitere politische und wirtschaftliche Dienste lassen sich mit Tele-o-Log UND weiteren Systemen und Möglichkeiten realisieren. Zunächst arbeiten wir an Lösungen wie "Bestellen von politischen Dialogen per E-Mail", für die Zukunft ist auch an eine Vermarktung der eigentlichen Dialoge gedacht.

Fraglich bleibt, wo der Mehrwert erwirtschaftet wird und wo Arbeitsplätze mit diesen Diensten geschaffen werden. Es ist mit Internet und anderen Computernetzen - organisatorisch und vom Kostenstandpunkt betrachtet - kinderleicht, virtuelle Unternehmen, Netzwerke mit verschiedenen geograpischen Standorten aufzubauen. Wird die Dienstleistung auf andere Unternehmen außerhalb von Sachsen verlagert, werden natürlich auch dort der Mehrwert und die Steuerneinnahmen erwirtschaftet, obwohl vielleicht der sächsische Steuerzahler sich künftig in irgendeiner Form beteiligen wird. Nicht nur aus diesem Grund muß eine Trennung in die Bereiche "Dienst" und "Produkt" sowie in einen "öffentlichen Bereich" und "Privatwirtschaft" erfolgen. Dienste wären aus unserer Sicht aus Sachsen dann vernünftig zu erbringen, wenn ausreichend Kommunikationsfachleute, zum Beispiel als Online-Moderatoren und Telematik-Assistenten, zur Verfügung stünden; die Entwicklung eines eigenständigen Produktes wäre zur Zeit in Sachsen günstig. Tele-o-Log als Projekt soll weiterhin Know-How-Generator sein und einen Laborstatus behalten. Darauf wird zur Zeit auch in Dienstleistungsverträgen entsprechend hingewiesen. Mit den Diensten soll eine Kostendeckung erzielt werden, kein Gewinn. Angedacht ist ein politisches Komplettangebot zur Bundestagswahl 1998 - mit Sponsoren und freiwilligen Helfern realisiert. Für ostdeutsche Kommunen und Länderparlamente ist das Projekt - finazielle Beteiligung vorausgesetzt - eine Chance, offene, dauerhafte, für Bürger kostenfreie Dienste und Debatten zu installieren.

An dieser Stelle möchten wir die Ideen der "fest installierten virtuellen" Räume "Neues Forum", "Runder Tisch", "Sachsen" u.a. wieder aufgreifen. Mit diesen Namen könnten Konferenzräume und damit verbundene Themen für die ostdeutschen Bürger einen Wiederkennungswert bekommen.

Die Trennung in "Dienst" und "Produkt" ermöglicht auch die Auswahl der geeigneten Werbestrategie. Wir halten für die Durchführung von öffentlichen Bürgerkonferenzen eine persönliche Einladung per E-Mail für denkbar, vorausgesetzt ein öffentliches Verzeichnis wird angelegt beziehungsweise die E-Mailadressen werden für diesen nicht-kommerziellen Zweck gesammelt. Die E-Mailadresse eignet sich nicht nur für das Ansprechen der Bürger, sondern auch möglicherweise auch als Vorstufe für elektronische Wahlen. Für die Einladungen zu Wirtschaftskonferenzen dagegen können E-Mails auch einen gegenteiligen Effekt erzielen (als unerwünschte Werbe- bzw. Spam-Mails angesehen werden).

Das Produkt "Konferenzsystem"
Ein Produkt erfordert Punkte wie Zuverlässigkeit, Verfügbarkeit und Termintreue, Ausfallsicherheit mit eingeschränkter Haftung, ausreichende Dokumentation, Skalierbarkeit u.v.m. - Aufgaben, die uns während der Entwicklungsphase eher hemmend erschienen. Wir trennten daher den Bereich der Fertigung von Beginn an ab, sahen ihn neben den Konferenzen als kommerziellen Sektor.

Als Zielgruppe für ein Produkt "Tele-o-Log" (gegebenenfalls auch unter anderem Namen) sehen wir dennoch größere Organisationen mit bekannter Zielgruppe. Zum Beispiel: Länderparlamente, Gewerkschaften, Verlage, Akademien, Verbände, Institute, Unternehmen (Mitarbeiterkonferenzen).

Tele-o-Log ist nicht als Standardprodukt konzipiert und wäre nach unserer Philosophie auch nur in enger Abstimmung mit einem Kunden innerhalb eines Projektes zu realisieren. Voraussetzung für ein Produkt ist auch die Neuentwicklung von Teilbereichen innerhalb Tele-o-Log, um die Administation komplett für Laien handhabar zu machen und das Dokumenten-Management zu vereinfachen. Hieraus läßt sich auch eine Skalierbarkeit herleiten, Produktpakete und Preise bilden. Außerdem können Teilmodule so effizienter entwickelt werden.

Fertigung und Vertrieb von Tele-o-Log als Produkt soll ausschließlich in Zusammenarbeit mit Projektpartnern erfolgen, nicht im Einzelvertrieb. Um die Entwicklung gemeinsam mit dem Vertrieb zu vereinfachen, ist die Wahl eines bestimmten Server-Herstellers vorgesehen, der sich gleichzeitig am Sponsoring einzelner Veranstaltungen und am Entwicklungsbetrieb beteiligen kann. Durch eine finanzielle Beteiligung an der Entwicklung hat der Sponsor mit seinem Produkt bessere Absatzchancen und kann auch das Unternehmensimage stärken. Ähnliche Chancen hat auch die Regierung des Freistaates Sachsen. Der Bereich Teledemokratie ließe sich ausbauen, Tele-o-Log als "Zugpferd" benutzen, weitere Erfahrungen könnten gewonnen werden. Eine spätere Installation eines festen Tele-o-Log-Systems für die Bürger und Politiker des Freistaates Sachsen wäre die Folge. Zur Zeit wird geprüft, inwieweit Interesse bei Großkunden, die zur Finanzierung solcher Systeme in der Lage sind, an solchen Systemen/Diensten besteht.

Wie sieht das Umfeld aus? Ende Dezember 1997 existierten mehr als fünf uns bekannte Produkte von Mitbewerbern (unter anderem aus U.S.A., Großbritannien, Holland, Schweiz), wobei die meisten Produkte durch Techniker und zahlreiche Funktionen vorgeprägt sind oder nur als theoretische Modelle im Computer existieren. Lediglich Systeme wie "Netchat" von Cassiopeia (Deutschland) oder "CommunityWare" von Durand Communications (U.S.A.) weisen spürbar viele Praxiserfahrungen im Umgang mit Online-Kommunikation auf. So kann beispielsweise "Electric Minds", ein Projekt das auf dem Produkt "CommunityWare" aufbaut, mehr als 60.000 Abonnenten nachweisen. Es entstand als moderierter Online-Dienst und entwickelte sich später zum Produkt, mit dem man "elektronische Gemeinden" im Internet aufbauen kann ("virtuelle Milieus", Schulze). Auch nehmen große Online-Dienste wie Compuserve, AOL den Konferenzbereich verstärkt ins Visier. Aus dieser Richtung erwarten wir - wenn überhaupt - den größten Konkurrenzdruck, da wir annehmen, daß viele Online-Dienste derartige Events für das Internet öffnen, öffnen müssen und ebenfalls als Zugpferde nutzen werden, um neue Kunden zu gewinnen. Die Konferenzsysteme für Online-Dienstleister werden individuell entwickelt und gefertigt, sind als Produkte nicht erhältlich.

Wir sehen große Absatzchancen gerade für ein Produkt aus Sachsen - aufgrund der hohen Standortqualität, des "Revolutions-Geistes", der sich als Botschaft hinter "Made in Saxony" und der Experimentierfreudigkeit der Sachsen verbirgt. Derartige Demokratiedienste und -produkte lassen sich aus keinem Bundesland so gut vermarkten wie aus Sachsen.

Ein Produkt, das nach oben offen skalierbar ist, hat nach unserer Ansicht auch Chancen in Nischenbereiche für großen Organisationen vorzustoßen, in die Nischen, die erst zum Teil von U.S.-Unternehmen belegt wurden. Auch haben wir über eine Freigabe des gesamten Systems in den Bereich "Public Domain Software" nachgedacht, halten jedoch den Zeitpunkt für verfrüht, da es zu komplex für eine einfache Bedienung ohne hinreichende Dokumentation erscheint und immer noch den Status eines Prototypen besitzt.

SOLL - Technische Entwicklungsziele

Zu unseren Arbeitsschwerpunkten zählen wir journalistisch-technische Punkte. Einen gemeinsamen Nenner innerhalb der ansonsten heterogenen Projektgruppe haben wir mit der Entwicklungsphilosophie: Technik soll sich dem Menschen anpassen, nicht umgekehrt. Die folgenden Entwicklunsziele sehen wir (neben kosmetischen Veränderungen) als Voraussetzung für den Einsatz im Alltag, einhergehend mit organisatorischen Neustrukturierungen. Neben den technischen Zielen ist eine professionelle Überarbeitung der grafischen Oberfläche geplant. Auch über die Verbesserung der Arbeitsoberflächen mit Hilfe der Programmiersprache "Java" sowie über VRML (3-D-Darstellungssprache) zur Benutzerführung durch ein virtuelles Parlament wurde nachgedacht. Doch die Prioritäten setzen Konferenzveranstalter und -besucher. Einige Beispiele:

Datenbank zur Selbstverwaltung

Als technische Grundvoraussetzung für verteiltes Arbeiten, zur Vermarktung der Dienstleistung, zur Schaffung von (Teilzeit)Arbeitsplätzen und letzlich zur Entstehung eines Produktes sehen wir die Entwicklung und Installation von professionellen Datenbanken für Teilnehmer-, Dokumenten- und Konferenz-Management.

Damit soll unter anderem eine Vereinfachung bei der Eingabe, Konvertierung und Darstellung von externen Informationen wie Statements oder Lebensläufen erzielt werden. Das heißt: Verlagerung der Dateneingabe an externe Arbeitsplätze und Assistenten ohne Vorwissen. Auch soll dadurch eine weitgehende Autonomie der "Online-Parlamente" realisiert werden, da die Konferenzvorbereitung bisher ausschließlich von den Entwicklern erbracht wurden und damit eine direkte, aber technisch nicht notwendige Abhängigkeit besteht. Eine Online-Datenbankbasis ist die Voraussetzung für "Groupworking", mit Konfliktprüfungen und stetiger Akualisierung an zentraler Stelle. Die Programme und Datenbankteile sind modular aufgebaut, so daß Teilentwicklungen auch unabhängig von Tele-o-Log vermarktet werden können (zum Beispiel durch Sponsoren). Das Datenbankmodell ist auch Voraussetzung für eine automatische Archivierung. Als Zeitbudget haben wir 150 Tage veranschlagt.

Belastungstests

Um eine Belastungssituation unter extremen Bedingungen zu testen, Verteillösungen bei hohem Traffic zu finden und gegebenenfalls die Hardware aufzurüsten, wird an einer Massensimulation von "Bürgern und Politikern" gearbeitet, kleine Programme, die Dokumentenabrufe zur selben Zeit durchführen. Das Programm dient der allgemeinen Prüfung von Belastungssicherheit mit 10, 50 und mehreren 100.000 Simultanbenutzern sowie der kalkulatorischen Vorbereitung.

E-Mail-Schnittstelle für Politiker/Bürger

Um die Akzeptanz zu erhöhen und sich auf den Arbeitsalltag von Bürgern und Politikern einzustellen, wird an einer E-Mail-Schnittstelle gearbeitet. Über eine E-Mail-Schnittstelle können Bürger ihre Fragen per E-Mail an die Moderation der jeweiligen Konferenz senden und erhalten eine Antwort als Kopie per E-Mail. Sowohl Frage als auch Antwort werden dennoch im Konferenzprotokoll veröffentlicht. Die Podiumsgäste erhalten eine Nachricht, wenn neue Fragen für sie eingetroffen sind - vor allem für Dauer-Konferenzen unabdingbar.

Namentliche Abstimmungen per E-Mail-Unterschrift

Technisch kein Problem. Mit der "Online Magna Charta", die fest im Konferenzkanal Netzforum.de integriert ist, wurden erste Erfahrungen gesammelt und Ideen zur Online-Unterzeichnung geboren. Interessenten können die Charta mit Hilfe eines Web-Formulars unterzeichnen. Sie werden dazu aufgefordert, ihren Namen und gegebenenfalls Zusatzinformationen wie Beruf und Stadt anzugeben und dann auf einen Button "Unterzeichnen" zu klicken. Der Unterzeichner erhält eine Bestätigung per E-Mail, ein Moderator bekommt eine Nachricht über neue Unterschriften und prüft die Einträge. Mit Hilfe der "Quittung", die der Unterzeichner erhält, kann geprüft werden, ob die von ihm angegebene E-Mailadresse existiert. Im zweiten Schritt, in Verbindung mit der Einführung digitaler Signaturen, wäre eine Signaturprüfung machbar.

Das Experiment "Abstimmen und Wählen" mit Tele-o-Log soll mit Einrichtungen starten, die keinen Personalausweis und eine persönliche Teilnahme verlangen, zum Beispiel Gewerkschaften oder Universitäten. Der Bürger sendet seine Stimme für eine Wahl per E-Mail ab und signiert sie vorher mit seiner digitalen, registrierten Unterschrift. Der Empfänger, ein Wahlserver, prüft die Echtheit und die Wahlberechtigung, und führt die Ergebnisse in zwei Datenbanken: Eine Datenbank mit anonymisierten Wahl-Ergebnissen und eine zweite Datenbank mit den Wahlberechtigten. In der letzteren werden lediglich "Häkchen" nach Stimmabgabe gemacht. Das heißt: Es wird festgehalten, ob jemand seine Stimme abgegeben hat - aber nicht, wie. Alle Daten werden während des Kommunikationsprozesses über das Internet verschlüsselt übertragen. An diesem Prozeß sind mehrere Unternehmen (Signaturstelle, Sicherheitstechnik, Kopplung mit einer bestehenden Verwaltung) beteiligt. Dieses Experiment erfordert vor allem organisatorische Leistungen, um alle beteiligten Stellen zu koordinieren.

Sonstiges

Wie in den Untersuchen bereits angedacht, denken wir an weitere öffentliche Statistiken, um den Bürgern mehr Kontrolle zu geben und die Arbeitsweise mit Tele-o-Log noch transparenter zu gestalten. Zur Zeit liefert die Webkamera einzelne Standbilder, die archiviert werden. Sie wurde installiert, um den Konferenzen mehr Authentizität zu geben. Zusätzlich wird an der Einspielung von Audio-Atmosphärengeräuschen gearbeitet.

Fazit:

  • Euphorien, die Demokratie werde sich mit Internet und Computernetzen verändern, sind verfrüht. Der Prozeß hin zu allgemeiner Akzeptanz von "Teledemokratie" in Deutschland wird noch mindestens zehn Jahre dauern.

  • Tele-o-Log bietet sich als "Teledemokratie-Labor" an, um heute die Politik von morgen zu erforschen. Tele-o-Log wurde nicht als kommerzielles Produkt konzipiert, eine Trennung in einen kommerziellen und einen Entwicklungs-Bereich wird derzeit vollzogen.
  • Der Freistaat Sachsen - die öffentliche Verwaltung und die Regierung - ziehen Vorteile aus Tele-o-Log und Telebürgerdiensten. Eine entsprechende Beteiligung mit Ressourcen wäre im öffentlich-rechtlichen Bereich künftig Voraussetzung für einen professionellen Betrieb. Um "Kommerz" und "Entwicklung" sauber zu trennen, wird eine entsprechende Organisationsform gefunden.
  • Eine persönliche Präsenz bei Bürgern und Unternehmen vor Ort erscheint uns der sinnvollste Weg, ihnen die "Informationsgesellschaft" mit ihren Instrumenten wie Tele-o-Log näher zu bringen.
  • Für eine funktionierende Teledemokratie mit Bürgerbeteiligung sind Voraussetzungen wie Transparenz bei parlamentarischen Vorgängen unerläßlich.
  • Eine Kopplung mit anderen Medien und damit anderen Endgeräten erscheint sinnvoll (WWW und TV), weil beispielsweise nicht genügend Internet-Anschlüsse in Privathaushalten installiert sind. Doch auch die Arbeitswelt ändert sich und viele Bürger bekommen Zugriff auf Systeme wie Tele-o-Log direkt vom Arbeitsplatz aus, so daß eine Kopplung von Tele-o-Log und TV dann Sinn macht, wenn neue Sendeformate entstehen. Insbesondere im Bereich "Business to Business" entstehen die lukrativen Anwendungen.
  • Im Bereich der "elektronischen Demokratie" und "Teledemokratie" sowie Teleadministration entsteht ein Potential an regionalen Arbeitsplätzen, nach vorsichtigen Schätzungen rund 1000 Stellen. Dazu zählen wir parlamentarische und politische Dienste, die von privaten Agenturen erbracht, aber auch Produkte, die von privaten Unternehmen entwickelt und verkauft werden - besonders mit Hilfe des Internet.


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Webautor: Alexis Hochschild, webmaster@set.saxony.de
Letzte Seitenaktualisierung: 5. November 1998, webmaster@netzforum.de